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WOLFGANG MUTHSPIEL + BRIAN BLADE Friendly Travellers ****

01. Gnadenwald (Wolfgang Muthspiel), 02. Between the Beats (Wolfgang Muthspiel, Brian Blade), 03. End on 4 (Wolfgang Muthspiel), 04. Vallekilde, 05. Youssou, 06. Friendly Travellers (Brian Blade), 07. Balladino (Wolfgang Muthspiel, Brian Blade), 08. Heavy Song (Wolfgang Muthspiel), 09. Andrej Rubljow (Wolfgang Muthspiel, Brian Blade), 10. Cold summer, 11. The Tuning of the Bells

Wolfgang Muthspiel - g, voc; Brian Blade - dr, voc

rec 05.-08.06.2006
Helikon/Harmonia Mundi Material Records MRE 017-2; LC-Nr 12260

Vallekilde ist ein kleines Dorf in Dänemark. 1998 lernten sich dort Wolfgang Muthspiel und Brian Blade kennen: der österreichische, in den USA ausgebildete und durch Gary Burton gleichsam promovierte Gitarrist und der Meister des gebrochenen swing, renommiert nicht nur durch seine Arbeit mit Wayne Shorter.
Vor ein paar Jahren haben sie ein Trio-Album, überwiegend mit Standards, veröffentlicht, jetzt dieses Duo, das keinerlei Repertoire-Vorkenntnise erlaubt.
"Vallekilde" ist nun ein track; Muthspiel erläutert in einer kurzen Skizze die Herkunft des Titels und - das Treffen dort habe "einen großen Eindruck bei uns beiden hinterlassen."
Wer diesen Gedanken zum Leitfaden nimmt und versucht, ihn als Hörer zu verwenden, gelangt nur in negativer Umkehrung zum Ziel: "Vallekilde" hinterläßt überhaupt keinen Eindruck. Es ist der blasseste track des gesamten Albums - und prägend für die gesamte Rezeption dieses Albums.
Wer gehofft hatte, hier in einem
Duo, einem in der Jazz-Ideologie so vielbeschworenen Format, einen der Meistertrommler der Gegenwart sozusagen beifreit von manchem Ballast zu erleben, sozusagen "Theater a la Wayne Shorter" im Kleinen - der findet fast nichts, was nicht auch jeder andere Drummer hätte erledigen können.
Der Meister der
metrischen Modulation wird degradiert zum Helfer eines Gitarristen, über dessen Bedeutung auch dieses Album wieder mehr Fragen aufwirft denn Antworten gibt. Ja, wer "Vielfalt" sucht, dieses Dogma des zeitgenössischen Jazz, der wird fündig. Die "freundlichen Reisenden" durchfahren eine Landschaft von Klampf-Balladen, einem Pat Metheny-artigen Kreiseln ("Gnadenwald") bis zu netten Afro-Einsprengseln ("Youssou", eine Hommage an Youssou N´Dour). Man muß auch nicht befürchten, lediglich auf zwei Instrumenten sitzen zu bleiben; der Muthspiel, Wolfgang legt in bald jedem Stück mehre Gitarrenstimmen übereiannder.
Aber nichts erhebt sich daraus; kein Gedanke, keine Formel, die man zwingend mit diesem Album in Verbindung brächte. Mag schon sein, daß die Musiker in jenen Juni-Tagen mit Feuer & Flamme bei der Arbeit waren (zumal sie auch noch die Gelegenheit nutzen konnten, dem "kältesten Juni in hundert Jahren" ein Ständchen zu bringen, "Cold Summer)" - dem Hörer aber bleibt derlei Anteilnahme verschlossen. Es sei denn, er sagt zu alles & jedem "ja" & "Amen".

erstellt: 27.02.07

©Michael Rüsenberg, 2007, Nachdruck verboten