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MARC COPLAND Some Love Songs *******

1. Rainy Night House (Joni Mitchell), 2. Round she goes (Marc Copland), 3. Time Was, 4. Glad to be unhappy (Richard Rodgers), 5. Spartacus Love Theme (Alex North), 6. Footprints (Wayne Shorter), 7. My foolish Heart (Victor Young)

Marc Copland - p, Drew Gress - b, Jochen Rückert - dr

rec 17./18.01.2005

Pirouet PIT3015; LC-Nr 12741

An Aufnahmen von
Marc Copland herrscht kein Mangel. Allein in diesem Jahr 2005, sind vier Alben erschienen, vom Backkatalog ganz zu schweigen. Gleichwohl wird man in diesem Piano-Feinkostladen mit seinen unterschiedlichen Darbietungsformen zielstrebig auf diese Trio-Aufnahme zugehen, allein schon weil sie rein formal eine Fortsetzung des Vergnügens von "Haunted Heart & Other Ballads" (2001) verspricht: gleiche Besetzung, vorwiegend Balladen und Standards. Eine Formation, die auch in der gegenwärtigen Blüte der Piano-Trios bestehen kann, ja mit an der Spitze steht.
Hörvergnügen verspricht allein schon, dass Copland erneut - und in diesem Jahr schon zum zweiten Male, nach "Time within Time" - eine,
seine Version von Wayne Shorter´s "Footprints" verspricht; er kehrt zum Modell zurück, das er 1993 (auf "Stompin´ at Savoy") erstmals vorgestellt hat: neben Shorter´s Thema parallel Monk´s "Misterioso" laufen zu lassen (ein Hörmuster, das Copland nicht bestätigt, aber das nun mal genau so klingt.)
Hier ist dieses Trio ganz bei sich, in einer Auflösung, nein besser: Substitution der alten Formen durch neue. Blues und
6/8-Takt, die Fundamente von Shorter´s Architektur, kommen vor, sie schweben ein und wieder fort, das Trio swingt mal in 4/4, ein wundervolles drum-solo gegen riff steht gegen Monk´s Sexten. Alle rhythmischen Feinheiten, die der heutige Jazz kurz vor der Grenze zum Frei-Metrischen bietet (rubato, gebrochener swing) werden in einer Kunstfertigkeit sondersgleichen verwoben. Im Grunde befinden sich die drei in einer Vorstufe zur Improvisation mit Formen, wie es gegenwärtig die Meisterklasse des Wayne Shorter Quartetts betreibt.
"Time was", die Trio-Übernahme aus dem Album "Time within Time", ist eine ähnliche Preziose; man kommt schier ins Verzücken, wie zart hier der
3/4-Takt des Themas in der Art einer Gummimasse gedehnt, gestreckt, verformt wird - harmonisch eine grosse Verbeugung vor dem Impressionismus.
Hier, mit all den Durchgangsakkorden im langsamen Tempo, hat Marc Copland auch kompositorisch sich eine Steilvorlage gelegt. Von dem flirrenden Minimalismus in "Round she goes" (auch auf "Round and Round" mit
Greg Osby, 2002) kann man das nicht unbedingt sagen, zumal Drew Gress früh schon durch ein Solo, ja man muss geradezu sagen: stolpert. Eine so stockende Artikukation ist man von diesem Musiker nicht gewohnt.

erstellt: 12.10.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Alle Rechte vorbehalten