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DAVID KIKOSKI Details ******

1. In your own sweet Way (Brubeck), 2. Detachment (Kikoski), 3. 7/4 Ballad, 4. Inner Urge (Joe Henderson), 5. Juriki (Kikoski), 6. Adorable you, 7. K´s Blues, 8. Presage, 9. Tag Blues

David Kikoski
- p, ep; Larry Grendier - b, Bill Stewart - dr

rec 18.12.2003
HarmoniaMundi/Criss Cross CRISS 1249

Larry Grenadier und Bill Stewart - die meisten kennen die beiden 1999/2000 als Rhythmusgruppe von
Pat Metheny - haben ein gemeinsames Leben davor: 1993 Premiere im Seamus Blake Quintett und dann auf den zu unrecht unterbewerteten Solo-Alben von Stewart ("Snide Remarks“, 1995; "Telepathy", 1997).
Auch bei Kikoski
dürfen sie, was ihnen bei Metheny verwehrt war - den Status von Begleitern überwinden. Insofen ist der Titel dieser Unternehmung mit "Details" gut gewählt.
Auf der Makro-Ebene besticht das Album nicht durch neue Ideen oder Formen, man würde Kikoski auch nicht mit verbundenen Augen heraushören. Aber im Rahmen des Bewährten & Vertrauten fordert er mit einem jeden seiner Alben heraus (übrigens auch mit deren Rhythmusgruppen. Jahrelang hatte er
Jeff Tain Watts mit wechselnden Bassisten). Ihr Repertoire ist stets gut gewählt, man kann sie en suite durchhören und dabei immer wieder an hand diesere Feinheiten in die Tiefe tauchen.
Kikoski liebt es, Stücke mit zwei Tempi auszustatten. "Detachment" ist ein schönes Beispiel dafür, die Rhythmusgruppe glüht in einem drum-solo gegen riff. Verwandtes geschieht in der Coda von "Jurik": Kikoski ergötzt sich am warmen Klang des
Fender Rhodes Electro Piano und führt in die frühen 70er zurück, zu Miroslav Vitous´ "Purple“, mit - wie er es beschreibt - "fetten Akkorden über einer Basslinie, wo die Akkorde eher die Melodie bilden als sich unter ihr zu befinden".
Noch mal Fender in "K´s Blues", Grenadier & Stewart schnurren in einem
uptempo swing; das ist sowas von tight gespielt, dass man vor Vergnügen aufschreien mag. Kikoski bedient das E-Piano, als habe er schon zu dessen grossen Zeiten dazugehört, kurz bevor die Rhythmusgruppe alle 4 Takte die Soli wechselt (tradin´ fours) schmeckt er sein Soli mit ein paar Hancock-Akkorden ab.
Das ist das Bemerkenswerte an diesem Pianisten. Obgleich er nicht zu den Stil-prägenden zählt, hält er eher wie Enzyklopädist eine Vielzahl von Farben bereit. Abgesehen von einer leichten McCoy Tyner-Dominanz lässt er sich eher im Ausschlussverfahren lokalisieren. Er gehört nicht zur Regie derer von Marc Copland und Fred Hersch, den Balladenspezialisten, den Introvertierten, andernfalls würde er sich auch nicht 20 Jahre (!) in der Band von
Roy Haynes halten.
Nein, David Kikoski gehört zu jenen Piano Allroundern, die wir in Europa vorzugsweise als Sideman erleben und uns dann wundern, was die alles draufhaben. Und wenn Sie dann auf eigene Rechnung spielen, enthüllen sie noch mehr ein Berufsbild, für das es in Europa eigentlich kein Pendant gibt.
Im Falle David Kikoski darf man sagen: Album für Album ein Jazz, dem das zeitgenössische
Dogma des "Jazz & ..." völlig unbekannt ist. Der sich traut, seine Botschaften in einer weit verbreiteten Sprache abzufasssen. Wer meint, Mundgeruch dabi zu vernehmen - der hat einfach nicht gelernt hinzuhören..

©Michael Rüsenberg, 2004, Alle Rechte vorbehalten