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BOBBY WATSON Horizon Reassambled ******

1. Lemoncello (Bobby Watson), 2. Pere (Edward Simon), 3. The Love we had yesterday (Watson), 4. Ginger Bread Boy (Jimmy Heath), 5. Horizon Reassambled (Watson), 6. The Look of Love (Bacharach, David), 7. Eeeyyess (Victor Lewis), 8. Permanoon (David Moore), 9. Dark Days (Watson), 10. Dark Days Interlude, 11. Xangongo (Essiet)

Bobby Watson
- as, Terell Stafford - tp, flh; Edward Simon - p, Essiet Okon Essiet - b, Victor Lewis - dr

rec 25. + 26.1.2004

SunnyMoon/Palmetto PAKM 2102; LC-Nr 12436

Oh ja, da kam Freude auf, als es hiess
Bobby Watson & Horizon erlebe eine Neuauflage, noch dazu in derselben Besetzung! Das bedeutet, das Quintett setzt dort wieder an, wo es im November 1993 (zumindest seine discographische) Karriere beendet hat. Eines der vitalsten Neo-Hardbop-Ensembles tritt wieder an, die Mannschaft um den ex-Art-Blakey-Messenger Watson, mit dem grossartigen Trommler-Sideman Lewis, dem damals erst 24jährigen Pianist extraodinaire Simon, der in den Jahren danach vor allem im Umkreis von David Binney weiter aufgeblüht ist. Kurz, die Mannschaft von "Midwest Shuffle" (1993) und - ähnllich- von "Post-Motown Bop" (1990) tritt wieder an.
Das war aber auch nötig. Dieser exzeptionelle Altist hat in den letzten Jahren nichs mehr Adäquates zu Wege gebracht. Sein Einstand bei Palmetto ("Live & Learn", 2001), der verbal die neuen Lebensumstände des Professors für Jazz an der Universität
Missouri/Kansas reflektiert, kann ihn selbst nicht so sehr beeindruckt haben - warum sonst sollte er nun auf die Altvorderen zurückgreifen?
"Horizon Reassambled“ tritt in eine veränderte Landschaft: der Neo Hardbop, den Bobby Watson auch als Jazz-Lehrer vermehrt, steht heute in Blüte, das neue/alte Quintett ist umstellt von
Orrin Evans, Jeremy Pelt, J.D. Allen, Ralph Peterson und wie sie alle heissen.
Gemessen an der schönen Gegenwart und der grossen Vergangenheit startet "Horizon Reassambled" recht verhalten, mit einem unentschlossenen Shuffle. Edward Simon bringt in "Pere" Farbe ins Spiel, ein Latin Jazz mit einem ostinato über
5/4 (!). Victor Lewis schliesst mit einem drum-solo gegen riff, das nächste folgt im Standad "Ginger Bread Boy", schön tight gespielt.
Das Titelstück ist eine Jazz-Samba, gefolgt von einer Burt Bacharach-Ballade und Lewis´ Schlachtross von 1996, "Eeeyyess". Mit "Permanoon", erneut auf ein starkes ostinato gebaut, hat Watson eine Komposition eines seiner
Studenten aus Kansas ins Programm genommen, eine Art Jazzrock im Hardbop-Gewand.
Bei "Dark Days" übertrumpft das Interlude die Hauptsache: ein wogender
Afro-Groove, den man gut & gerne über die doppelte Zeit zuhören würde. Das Album schliesst mit einer gewissermassen eingeschwärzten Samba von Essiet Okon Essiet, der - wie Victor Lewis - aus Omaha/Nebraska stammt.
Wäre mit diesem Programm ein
unbekanntes Ensemble angetreten, hätte man applaudiert. Aber dies ist dies eine Re-union, man kann dieses Ensemble nicht hören ohne seine Vergangenheit. Und wer noch einmal nachblättert, dem fallen eher Defizite als Errungenschaften auf. Der Saxophonist Watson beispielsweise nimmt sich sehr zurück, einige seiner Charakteristika (Gleittöne von oben nach unten) fehlen völlig, nicht zuletzt die geradezu explosive Artikulation. Vermutlich hat diese Band kaum Live-Erfahrung.
Das war bei ihrem vorläufigen Abschied, anno 1993, ganz anders: "Midwest Shuffle" fusste auf dem Erfahrungsschatz von 5 gemeinsamen Jahren. Allein mit dem Titelstück würde Bobby Watson auch heute noch jeden Jazzclub in
Brand setzen.


©Michael Rüsenberg, 2004, Alle Rechte vorbehalten