Drucken

JESPER BODILSEN TRIO Mi ritorni in mente *****

1. Nature Boy (Ahbez), 2. How deep is the Ocean (Berlin), 3. Se non avessi piu te (Migliacci), 4. Someday my Prince will come (Churchhill), 5. Mi ritorni in mente (Battisti), 6. Dark Valley Serenade (Bollani), 7. Billies Bounce (Charlie Parker), 8. The Summer knows (Legrand), 9. Liten Karin (trad)

Jesper Bodilsen - b, Stefano Bollani - p, Morten Lund - dr

rec 4.2.2003
SunnyMoon/Sundance STUCD 03182


Jesper Bodilsen wird Verständis haben, dass
JNE sein Album zuvorderst deshalb bespricht, weil er zur Produktion einen new star des europäischen Jazz-Pianos verpflichtet hat. Das schliesslich ist Zweck seiner Übung. Ein Stefano Bollani promoviert das ganze Unternehmen - ein Stefano Bolani steigert aber auch die Erwartungen und legt verschärfte Kriterien nahe.

Es geht auch gleich gut los: Bollani spielt das Thema von "Nature Boy" gar nicht durch, er versprenkelt es, reisst es nur an, erzählt durchgängig eine parallele Geschichte. Wüsste man nicht, worauf er sich bezieht, käme man ins Räsonnieren, ob da nicht jemand, mal auf engerer, mal auf weiterer Bahn, "Nature Boy" umkreist. Viele andere Metaphern sind möglich, um dieses Verhältnis zu beschreiben, wenn sie nur der Tatsache gerecht werden, dass wir hier so etwas wie einen Prototyp des Standard-Spielens im 21. Jahrhundert vor uns haben.

Mit "How deep is the Ocean" steigert Bollani den Abstraktionsgrad noch weiter, vergisst aber auch nicht eine ganz traditionelle Übrung, das tradin´ fours, den Wechsel der Soli nach jeweils vier Takten. In "Someday my Prince will come" wiederum lassen Bodilsen und Bollani das Thema klar erkennen, ja geradezu leuchten, das Trio delektiert sich geradezu an den vielen Ausdeutungen, die ein langsamer 3/4-Takt zulässt.

Das Titelstück klingt, als gäbe Joe Sample sich europäisch. Charlie Parker´s Blues "Billie´s Bounce" wirkt, als wollten sich die Herren die Hände nicht schmutzig machen und zögen einen coitus interruptus vor: kurz vor Schluss verhakt sich Bollini trickreich mit der rechten Spielhand im Thema und schiebt mit links kräftige patterns dagegen. Aber er lässt diese ungeheure Bewegung vertröpfeln, statt sie als Steilvorlage für eine Jagd zu nutzen.

Spätestens hier verdichtet sich der Eindruck zu Gewissheit, dass dieses Trio nicht alles ausschöpfen will, was ihm zu Gebote steht. Im Zweifelsfall zieht es denn doch die Eleganz der Leidenschaft vor, es will einfach nicht die Sau rauslassen.

©Michael Rüsenberg, 2004, Nachdruck verboten