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DON BYRON ivey-divey ****

1. I want to be happy (Youmans, Caesar), 2. Somebody loves me (Gershwin), 3. I cover the Waterfront (Green, Heyman), 4. I´ve found a new baby (Palmer, Williams), 5. Himm (Byron), 6. The goon Drag (Sammy Price), 7. Abie the Fishman (Byron), 8. Lefty Teachers at home, 9. Leopold, Leopold..., 9. Freddie Freeloader (Miles Davis), 10. In a silent Way (Davis, Zawinul), 11. Somebody loves me - alternate take

Don Byron
- cl, bcl, ts; Jason Moran - p, Jack DeJohnette- dr, Lonnie Plaxico - b (6-9, 11), Ralph Alessi - tp (6,9)

rec 23.+24.5.2004
Blue Note 7243 5 78215 2 0; LC-Nr 0133

John McDonough
schreibt in down beat (Nov. 2004): "Neben alten Profis wie Jack DeJohnette (oder einem jungen wie Jason Moran) klingt Byron oft, als nähme er für sich einen Anfänger-Bonus in Anspruch."
Einen solchen Satz gefiele einem auch seitens der deutschen Jazzkritik, wenigstens aber doch, was
Jim Macnie im selben Heft äussert: "Ich wünschte, sein Spiel auf der Klarinette wäre ein bisschen herausfordernder."
Diese Urteile sind umso erstaunlicher, als ihr Forum nicht gerade als ein Hort der kritischen Jazzpublizistik bekannt ist. Sie benennen einem Umstand, der noch eine jede Veröffentlichung von Don Byron kennzeichnet: die handwerkliche
Schwäche des Bandleaders im Vergleich zu seiner konzeptionellen Stärke.
Nun fällt erstere hier stärker ins Gewicht, als letztere bescheiden in den Grenzen der Gattung bleibt und nicht nach Schumann, Chopin und Stevie Wonder ausgreift (wie z.B. "A fine Line", 2000).
Nein, Byron bleibt diesmal hübsch in der Jazztradition, bezieht sich auf Bass-lose Trio-Aufnahmen von
Lester Young anno 1946, daher der Titel "ivey-divey".
Schon beim Eröffnungstrack fällt Byron´s Bassklarinette derart aus der Skala heraus, dass man dies gegenüber erprobten
inside/outside-Spielern wie John Scofield schwerlich legitimieren kann. Der Mann spielt einfach schludrig - und das hält er bis zum bitteren Ende durch, sodass man immer aufatmet, wenn er eine Pause einlegt und vorzugsweise das Trio Moran/Plaxico/DeJohnette agiert. Ausnahme: das - nomen es omen - hymnische Klarinette-Schlagzeug-Duo "Himm (for Our Lord and Kirk Franklin)".
Der Wert von "ivey-divey" liegt auf auf einem anderen Sektor; es ist die perfekte Aufnahme, um jederman bei einem
blindfold test in die Irre zu führen: wie schlecht einer spielen kann/darf, der einen grossen Namen hat.

©Michael Rüsenberg, 2005, Nachdruck verboten