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PETRA HADEN & BILL FRISELL **

1. Satellite (Elliott Smith), 2 Floaty (Dave Grohl), 3. Bai-la Taigam (trad), 4. Moon River (Mancini(Mercer), 5. Yellow Guy (Berryman, Buckland, Champion, Martin), 6. I don´t want to grow up (Waits, Brennan), 7. The Quiet Room (Petra Haden), 8. When you wish upon a star (Washington, Harline), 9. I believe (Stevie Wonder), 10. John Hardy was a desperate little Man (trad), 11. I´ve got a crush on you (Gershwin), 12. Throughout (Frisell)

Petra Haden - voc, v; Bill Frisell - g, loops

SunnyMoon/Skip Records SKP 9044-2; LC-Nr 10482

Wer hätte gedacht, dass die Herbert-Parole "Kinder an die Macht!" spät zwar, aber im Jazz doch so umfassend befolgt würde? Von allen verfügbaren Jazz-Covers im April lacht uns ein britisches Bürschlein namens Jamie Cullum an (fast wächst er uns schon ans Herz, wenn - wie aus für gewöhnlich gut unterrichteten britischen Jazzkreisen zu erfahren - der Bursch selbst sich darüber wundert, wie weit er mit seinem Talent vorgedrungen sei.)

Der Erfolg der Norah Jones gehört zuvorderst in diese Erzählung, obgleich mit ihrem zweiten Kapitel die Mädchen-Sängerin vom "Jazz" sich schon wieder verabschiedet hat. Auch Charlie Haden, unser Mann für die Entdeckung der Langsamkeit, hat eine Norah Jones...eine Tochter namens Petra. Und die ist noch viel girliger als die echte Norah. Bloss reisst sich kein Weltkonzern um ihr Debut, der Markteintritt erfolgt weit unterhalb der Titelseiten, trotz Star-Produzent Lee Townsend, und stünde nicht Bill Frisell auf dem Cover, wer weiss, ob sie je Gehör gefunden hätte. Der gute Bill scheint mit grosser Langmut ausgestattet, denn erneut hilft er einem Minder-Talent, wie seinerzeit Leni Stern, zu einer Präsentation, die halbwegs mit Anstand zu ertragen ist. Dank Bill kann man dieses Projekt als eine Kundgabe des guten Willens unter dem schönen Schirm "Americana" einstellen. Es gibt ja immer mal Dinge, die man als Europäer so recht nicht verstehen kann, es sei denn man verfügte über "amerikanische" Ohren.

Die zentrale Botschaft dieses Albums, so verstehen wir es, geht von dem Tom Waits-Cover aus "I don´t want to grow up". Ein Wunsch, den ein jeder, der mit Glück die Adoleszenz erlebt hat, von Herzen teilt. Bloss, wird er es lieber auf Papier mit den Augen verfolgen denn hier mit den Ohren. Zum Schluss geht´s freilich noch tiefer herab, wenn Bill Frisell einen 3/4-Takt klampft und das Fräulein Haden "huh-huh" dazu macht.

Das Sentimentale, so zeigt sich erneut schmerzlich, ist das Schwere. Kate & Anna McGarrigle, die beiden kanadischen Schwestern, waren vor Jahren schon auf dem Pfad von Haden & Frisell unterwegs, mit Eleganz & künstlerischem Geschick.


©Michael Rüsenberg, 2004, Nachdruck verboten