Albert Mangelsdorff Preis 2021 an Aki Takase

Aki Takase Ziga KoritnikDie Deutsche Jazzunion macht es uns einfach.
Dass der Albert Mangelsdorff Preis 2021 an eine Musikerin und nicht an eine Musiker*in geht, steht nach dem vor Jahren beschlossenen Ritus fest.
Auf Musiker folgt Musikerin. Auf Paul Lovens (2019) folgt Aki Takase.
Das ist eine Wahl, für die man die Jury nun wirklich nicht schelten kann.
Sie ist frei von einem Geschlechterbonus-G´schmäckle, weil sie wesentlich dem Leitgedanken des Preises folgt (was nicht durchgängig Praxis war) - nämlich ein Lebenswerk auszuzeichnen. 

Und das ist der Deutsch-Japanerin, geboren 1948 in Osaka, zweifellos zu eigen.
Es ließe sich allein schon an ihren Auszeichnungen ablesen. Der AM-Preis ist der zweite, sicher renommiertere in diesem Jahr, im Frühjahr ging der Deutsche Jazzpreis in der Kategorie „Piano/Keyboards“ voraus; 2002 der SWR Jazzpreis.
Nicht zu vergessen 2018 der Jazzpreis Berlin.
Dort, beim Jazzfest 1981, hatte sie ihr europäisches Debüt, seit 1987 lebt sie in der Hauptstadt; sie ist verheiratet mit dem - gleichfalls AM-Preisträger, 2007 - Alexander von Schlippenbach.
Und wer die beiden jüngst live erlebt hat, beispielsweise im „ort“ in Wuppertal (wo es doch tatsächlich einem Besucher - war es ein älterer weißer Mann? - entfahren wollte, es sei klar, wer hier „die Hosen anhat“; dafür streng gerügt von der Jazzpolizei), der/die wird sich gut in der Aussage der Jury aufgehoben fühlen:
„…ihre kraftvolle expressive Spielweise ist einzigartig und klar erkennbar - meist beim ersten Ton“.
Skeptischer hingegen werden die Besucher der abschließende Wertung durch die Jury begegnen,
die Künstlerin stehe „für die multikulturelle und grenzüberschreitende Identität des Jazz und für die Möglichkeit, sich als Frau im Jazz an die Weltspitze zu kämpfen – mit spielerischer Leichtigkeit und künstlerischer Integrität.“
Das ist nicht falsch und sicher gut gemeint. Aber dass Aki Takase sich eben nicht mit „spielerischer Leichtigkeit“ an die Weltspitze „gekämpft“ hat - nämlich dass eine so zarte Person zu einer auch körperlich so großen Expression fähig ist, gerade auch das macht den Reiz ihrer Perfmances aus.
Eben das wollte der Vorgestrige in Wuppertal mit seiner Hosen-Metapher zum Ausdruck bringen.
(JC sind dessen Name und Handy-Nr. bekannt.)
Der Albert Mangelsdorff Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und wird der Preisträgerin 2021 am
5. November im Rahmen des Jazzfest Berlin überreicht.

Foto: Ziga Koritnik
erstellt: 20.09.21

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