Preise. Preise. Preise

JohnDennisRenken1 cHelmut Berns

 

Der Jazz Pott geht 2021 an einen Hanseaten, an den Trompeter John-Dennis Renken, geboren 1981 in Bremen.
Dem Pott, also dem Ruhrgebiet, ist er seit 2002 verbunden, seit Beginn seines Studiums an der Folkwanghochschule für Musik in Essen, wo er heute sein Instrument auch unterrichtet.
2017 war Renken Improviser In Residence in Moers.
Er tritt solo auf, gehört zum Großensemble The Dorf und wird das Preisträgerkonzert am 19. September im Grillo Theater Essen mit seinem Quintett Tribe bestreiten.
Der Jazz Pott, 1998 begründet von Viktor Seroneit (1946-2011) und Nikolaus Troxler (Willisau/CH), wird zum 24. Male vergeben, er ist mit 2.000 Euro dotiert.
Das Preisgeld wird inzwischen vom Essener Kabarettisten Hagen Rether gespendet.

 

Luise Volkmann
Privater Initiative (und gleichfalls begründet 1998) verdankt sich auch das Horst und Gretl Will Stipendium für Jazz/Improvisierte Musik. Es ist mit 12.000 Euro dotiert und wird von der Stadt Köln organisiert.
Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an die Saxophonistin Luise Volkmann, geboren 1992 in Bielefeld. Sie hat in Leipzig und Paris studiert und mit einem Master in Jazz-Komposition und Musikwissenschaft in Köln abgeschlossen.
Sie arbeitet an der „Etablierung einer emanzipiert genuinen Jazzkompositionsweise“.
Zuletzt hat sie dem Hippietum, verkörpert durch die Musikvorlieben ihres Vaters, ein Denkmal gesetzt („When the Birds upraise their Choir“), demnächst widmet sie sich … Sun Ra.
Preisübergabe und Konzert von Luise Volkmann am 31. August im Stadtgarten Köln.

 

Eva Klesse Copyright Peter Tuemmers
Der älteste und mit 15.000 Euro höchst-dotierte deutsche Jazzpreis, der SWR Jazzpreis, wird zum 41. Mal vergeben. Er geht an die Schlagzeugerin Eva Klesse, 35.
Handelt es sich auch hier, wie Insider raunen, um einen „Eva Kruse-Effekt“?
Immerhin hat sich erneut eine Musikerin gegen Petter Eldh (sowie die Sängerin Cymin Samawatie) behauptet.
Gemach. Mit ihrer Schlagzeug-Professur an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, ist der Preisträgerin schon von daher eine gewisse Dignität zu eigen.
Zudem erkennt sie sehr wohl die Klippen ihrer Zunft, wenn sie betont, dass es darin solche gebe, „die ihren Fokus auf rhythmische Vertracktheiten legen“.
Sie hingegen verorte sich mehr in dem „krassen ästhetischen Gegenentwurf“, wo es vielmehr „um die große Melodien und die ganz emotionalen und starken Statements“ gehe.
Das wiederum, um mit einem Titel von Günther Grass zu sprechen, eröffnet „ein weites Feld“. Und delegiert, nein nicht an das Auge des Betrachters, sondern an dessen Ohr nebst angeschlossenen Hirnarrealen, die ausgelobten Qualitäten auch als solche zu erkennen.
Immerhin ist hiermit eine Vorentscheidung für den am 05.11.21 zu erwartenden Albert Mangelsdorff Preis gefallen. In diesem Jahr steht laut Satzung eine PreisträgerIN an, und Eva Klesse zählt informell sicher zu den Kandidatinnen.
Ein Novum wäre, wenn eine Person in einem Jahr in den beiden höchst-dotierten deutschen Jazz-Auszeichnungen reüssierte.
Der nächste PreisträgER ist 2023 dran. Rolf Kühn muss bis dahin warten.
Er dürfte & sollte dann 94 sein.

erstellt: 20.07.21
©Michael Rüsenberg, 2021. Alle Rechte vorbehalten

Fotos
Helmut Berns (Renken), Jürgen Volkmann (Luise), Peter Tümmers (Klesse)

PS (11.08.21): wie aus für gewöhnlich gut unterrichteten Quadraten verlautet, ist die Entscheidung in puncto Albert Mangelsdorff Preis 2021 gefallen.
Sie wird am 20.09. publiziert.
Nur so viel: die Wahl ist honorig und vermutlich unumstritten. Die Ausgezeichnete macht sich gut im Kreis der bisherigen PreisträgerInnen.