Nehmen Sie Käse zum Rotwein ?

"Ja", antwortet der kundige Besucher des Kantons.
"Ich bevorzuge eine regionale Traube, vielleicht die rote Rebe Pinot Noir, und zwar ausgeschenkt an der Theke der Kammgarn, als Gaumenfreude zur Hauptsache auf der Bühne: der ´Werkschau des Schweizer Jazz´“.
Das wäre eine, eine von zahlreichen ebenso angemessenen Anworten auf die vielen Fragen, mit denen das Plakat des 32. Schaffhauser Jazzfestivals Alarm schlägt.
Was die Schweizer fast allen deutschen Festivals vorauf haben, ist ihre visuelle Kommunikation.
Abseits des Paradebeispieles Willisau (mit den überragenden, längst in Museen präsentierten Arbeiten von Nikolaus Troxler) wissen auch die Schaffhauser immer wieder mit ihrem Plakat zu fesseln, zu verwirren, jedenfalls Aufmersamkeit zu erzeugen.
Schaffhausen 2021 PlakatDer Kreator 2021 ist der „Philosoph und Umweltingenieur“ Raphael Winteler.
Er beruf sich auf einen Satz im zweiten Roman von Urs Mannhart
„Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola“ (die Stadt gibt es wirklich, im Piemont).
Der Satz lautet:
„Jazz ist das salatgrüne Hemd, das nicht in den Hosenbund will.“
Er hat zwar keine Chancen gleichzuziehen mit Frank Zappa´s „Jazz is not dead, it just smells funny“, dürfte aber in der Pinot Noir-Fraktion als semi-literarischer Abgang die Runde machen.
Mannhart´s Zitat nun, so setzen die Schaffhauser in einer „1. Medien-orientierung“ ihre Fanfare an, „wird zu einem philosophischen Konzept ausgearbeitet, auf welches das Plakat zurückverweisen soll.“
Was bald ein jeder Frisierstube recht ist, eine eigene „Philosophie“, sollte einem Jazzfestival wie dem von Schaffhausen billig sein.
Zumal es - das im letzten Jahr Premiere mit dem online-Format hatte - diesmal nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C vorweisen kann, um allen Coronalitäten gerecht werden zu können.
A wäre „ein Festival wie gewohnt“,
B „ein Festival mit beschränkter Zuschauerzahl plus Streaming“ oder
C „erneut ein reines Streaming-Festival.
Welche Variante zum Zug kommt wird sich im Frühjahr zeigen…“
Völlig unabhängig davon aber wird man im Mai am Oberrhein Schlagzeugern und auch einer -In nicht entkommen.
Das Hauptohrenmerk richtet sich auf Arthur Hnatek aus Genf; der hat 2017 mit seinen Umkehr-Grooves im Trio von Florian Favre die Kammgarn gerockt und 2015 mit Tigran Hamasyan das Haus der Berliner Festspiele (als man dort noch handwerkliche Exzellenz zu erkennen vermochte…)
Am Freitag, 28.05.21, geht nichts ohne Lionel Friedli.
Der Drummer aus Biel spielt mit Andreas Tschopp, Nikolas Masson und Colin Vallon sowie abschließend mit Baß-Altmeister Heiri Kaenzig.
Komplettiert wird die Welsch-Schweizer (französisch-schweizer) Drummerfront durch Béatrice Graf aus Genf, die solo mit ihrem selbst-gebastelten „Koffer-Schlagzeug“ auftreten wird.
Das komplette Schaffhausen 2021-Programm hier

erstellt: 26.01.21
©Michael Rüsenberg, 2021. Alle Rechte vorbehalten


Drucken   E-Mail