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Tommy LiPuma (1936-2017) wird es nicht mehr erleben:
am 6. September kommt die legendäre „Rubberband“-Session von Miles Davis als 11-track-Album auf den Markt.
LiPuma hätte eh nicht viel Spaß daran gehabt: das Material aus diesen Studiositzungen von Herbst/Winter 1985/86 lehnte er im Februar 1986 ab, er hielt die Musik für ungeeignet - und nahm ab dem 6. Februar 1986 „Tutu“ auf, mit Hilfe von Marcus Miller und George Duke (1946-2013).
cover md rubberband 1Gänzlich „verschollen“ - wie jetzt insinuiert wird - waren die „Rubberband“-Aufnahmen nie: zwei Soli von Miles fanden im Sommer 1991 Verwendung auf „doo-bop“, Miles´ HipHop-Album („High Speed Case“ und „Fantasy“).
Außerdem ist bereits seit gut einem Jahr eine EP ausgekoppelt, „Rubberband of Life“ - und die lässt wenig Gutes erwarten. Es geht erneut in Richtung HipHop,
mit sehr tight und dunkel gepunchtem Beat. Aber der „prince of darkness“ wirkt erneut wie Gast seiner selbst in einer Soul-Ballade.
Da ist wenig von der auftrumpfenden Geste von „Fantasy“ und „Chocolade Chip“ oder der Energie von „High Speed Chase“.

PS: der bei der Gelegenheit noch einmal „Tutu“ gehört - und außer dem Titelstück so manche Fragwürdigkeit gehört. z.B. das entsetzliche Saxophon-Sample in „Backyard Ritual“.
Es wurde immer dem schlechten Geschmack von George Duke zugeordnet.
Falsch, wie man bei George Cole nachlesen kann („The last Miles“, 2005):
„Ich hätte ja einen echten Schlagzeuger und einen echten Saxophonisten vorgezogen, aber Miles hatte halt seinen eigenen Kopf“.

erstellt: 15.06.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten