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Pablo Held meets…Vol. 10

Endlich zu einem Konzert der Reihe geschafft, die Pablo Held neben seinem  Trio unterhält: Gäste & Repertoire für einen Abend. Die Nummer 10, ein kleines Jubiläum, im Loft Köln.
Neben mir ein über Jahrzehnte weltberühmter Kurator aus der Provinz, jetzt in Rente „und wieder Fan“. Er will unbedingt mal „den Dell“ erleben. Und Pablo Held.
Er hat einen äußerst günstigen Abend erwischt.
Denn Christopher Dell, 53, solange er nicht den „Theoretiker“ gibt, ist ein Erlebnis. Er bedient das Vibraphon mit vier Schlegeln. Das allein ist noch nicht herausragend, aber wie er das tut - schon.
Das Auge (bzw. der visuelle Cortex) ist zu träge um mitzukriegen, welche davon gerade zum Einsatz kommen, ob alle vier oder nur einer. Es geht so schnell.
Dabei tänzelt er, geht unter die Platten wie einst Keith Jarrett unter die Tasten, dreht, biegt den Körper, schüttelt den Kopf; es muß eine Lust sein, diese Bewegungen auszführen.
Er ist besser gekleidet als Jarrett, auch diese gymnastischen Übungen verführen ihn nicht, das Jacket aufzuknöpfen.
Mitunter lächelt er zum Pianisten herüber. Es ist das Lächeln des Gelingens. Er gibt etwas zurück zu Pablo Held oder empfängt etwas, einen Impuls, eine Idee, die der Organisator des Abends gerade formuliert hat.
Pablo Held 10 1

 

 

 

 

 

 

 

 
Die Korrespondenz der beiden ist betörend. 
Man ertappt sich dabei, an Gary Burton und Chick Corea zu denken.
Aber hier ist der Parcours anders. Er führt an den Rand der Tonalität, rhythmisch geht er über das Metrische oft hinaus. Ist das noch time oder schon free?
Jonas Westergaard, der bei Eggs Laid By Tigers oder in Django Bates´ Sgt. Pepper-Revue einen völlig anderen Job versieht, gibt den Stoiker am Kontrabass. Er zeigt einen Eigensinn, dessen Funktion einem erst nach und nach einleuchten will.
Es sind Räume für Leif Berger. Der ist 23, kommt aus der Bischofsstadt (oder Götz-Alsmann-Stadt) Münster und hat in Köln bei Jonas Burgwinkel studiert. Und mit ihm geht das deutsche drummer-Wunder weiter.
John Berger, Helmut Berger, Roland Berger - irgendwann wird auch Leif Berger für eine spezifische Tätigkeit stehen, nämlich für eine bestimmte Art des interaktiven Jazz Drumming.
Es waren nicht nur die Solisten beeindruckend, auch das Programm. Eine Abfolge von Jimmy Giuffre, Ornette Coleman, einem uptempo swing von Dell, auch ein Stück von Peter Held, Vater des Pianisten und Klavierlehrer in der Provinz.
Es war nicht das einfachste.

erstellt: 22.01.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten