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Nicholas Gebhardt, Nicole Rustin-Paschal, Tony Whyton (Hg)

The Routlege Compagnion to Jazz Studies
New York, London: Routledge, 2019
482 Seiten (div. Preise)
ISBN: 978-1-138-23116-0 (hard cover)
ISBN: 978-1-315-31580-5 (ebook)
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Einen solchen Band wird man im deutsch-sprachigen Raum so rasch nicht finden.
Die Anglo-Amerikaner (im weitesten Sinne) teilen die gleiche Sprache, sie können sich schon aus diesem Grund auf einen größeren Autorenpool sowie auf eine größere potenzielle Leserschaft stützen.
Nicht alle der 45 Autoren dieser Anthologie sind Anglo-Amerikaner (im engeren Sinne), darunter ist lediglich ein deutscher (Wolfram Knauer vom Jazzinstitut Darmstadt) sowie ein weiterer (Björn Heile), der freilich seit Jahrzehnten in Großbritannien lebt. 

Etliche von ihnen trifft man auf den rhythm changes-Konferenzen, die im Abstand von 18 Monaten jeweils in England und in Festland-Europa stattfinden (2019 in Graz/Österreich); ihre Sprache ist das Englische.
Für die Beiträge dieses Bandes haben manche ihre jeweiligen lectures aus den „rhythm changes“ umgeschrieben.
Demgegenüber ist die deutsche Jazzforschung keineswegs abgehängt; zumindest stellt sie mit dem zweijährlichen Jazzforum in Darmstadt einen Ort, an dem der eine oder andere Autor dieses Bandes auch schon vorgetragen hat.
Ein klarer Mangel dieses Routledge Companion besteht darin, dass er die digitalen
„Jazz Studies“, die wesentlich von Weimar ausgehen und in New York in Person des hier vertretenen Krin Gabbard einen Verbündeten haben, gar nicht berücksichtigt.
Gabbard, ein sehr eleganter Autor (und Redner!), bringt hier ein wenig Ordnung in die unterschiedlichen Jazz-Autobiografien, in denen fast alle, auch die afro-amerikanischen Musiker, einen weißen Co-Autor herangezogen haben - um dem dominanten Modell dieser Literaturgattung zu gehorchen, das von weißen Europäern geprägt wurde.

Gabbard berichtet, dass Miles Davis das Interesse an seiner Autobiografie verloren, dass Quincy Troupe ihn oft missverstanden habe - dass ihm andererseits aber die Stories gefielen, mit denen jener die „Löcher“ zu stopfen wusste.
Obwohl sein Werk von ursprünglich 870 Seiten von Nel King auf die Hälfte eingedampft wurde, ist Charles Mingus für Gabbard sich selbst auch als Autor am nächsten.
Gabbard ist versucht, den Schreibstil von „Beneath the Underdog“ als postmodern zu deklarieren.
cover routlege jazz companion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

----wird fortgesetzt
(nach den rhythm changes Graz, 11.-14.4.)

erstellt: 04.04.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten