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DJANGO BATES & FRANKFURT RADIO BIG BAND
Saluting Sgt. Pepper ****

01. Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band (Lennon, McCartney), 02. With a little Help from my Friends, 03. Lucy in the Sky with Diamonds, 04. Getting better, 05. Fixing a Hole, 06. She´s leaving home, 07. Being for the Benefit of Mr. Kite!, 08. Within you without you (George Harrison), 09. When I´m sixty four (Lennon, McCartney), 10. Lovely Rita, 11. Good Morning good Morning, 12. Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band (Reprise), 13. A Day in the Life



Django Bates - keyb, voc, Stuart Hall - g
Eggs Laid By Tigers:
Martin Dahl - voc, Jonas Westergaard - bg, voc, Peter Bruun - dr, voc
Frankfurt Radio Big Band (hr Big Band)

rec. 10/2016
Edition Records EDN 1094

Als im Frühjahr 2016 die veranstaltenden Redakteure des Hessischen Rundfunks für das 47. Deutsche Jazzfestival eine „Neuinszenierung“ von Sgt. Pepper ankündigten, durften sie sicher sein, dass dies „mit Spannung erwartet“ werden würde.
Eines der größten, bedeutendsten Werke der Popgeschichte, bearbeitet von einem Jazzmusiker, der das Covern, das Re-Komponieren zu großer Kunst geführt hat (treffend seine eigene Bezeichnung dafür, „arranging the hell out of something“) - das durfte nicht nur „mit Spannung erwartet“ werden, das versprach, der Knüller der Saison zu werden.
Wenig Beachtung fand damals der Satz, „dass sämtliche Songs in der gleichen Reihenfolge, der gleichen Tonart und Tonhöhe wie auf dem Album erklingen sollten“.
Der Django, dachte, nein wünschte unsereins, würde mit den Beatles so umspringen wie seinerzeit mit Frank Sinatra („New York, New York“) und Paul Anka („My Way“); er würde das Beatles-Schlachtschiff in die Luft sprengen.
Im Programmheft für die Premiere in der Alten Oper Ffm am 26.10.16 stand der Satz auch. Aber es ging ihm eine anderen Zeile voran, sie spricht von der „Herausforderung, diesen Monolithen der Popkultur zu dekonstruieren und aus der Jazzperspektive wieder neu zusammenzusetzen“.
Die beiden Sätze widersprechen sich diametral.
Cover Bates SgtPepperWelcher von beiden zutreffend ist, welcher also die „Neu-Inszenierung“ korrekt beschreibt, erschloss sich in der Alten Oper, erschließt sich mit dieser CD nach wenigen Minuten - und führte beim Festival zu der wohl schlechtesten Presse, die Django Bates je erfahren hat.
Die meisten Rezensenten rätselten, warum ausgerechnet der als Master-Dekonstrukteur ausgewiesene sich entschliesst, die HR Big Band als bessere Coverband zweckzuentfremden.
Er schreibt in den liner notes zum Album ein paar nette, autobiografische Gedanken - warum er sich entschieden hat, die Ordnung der Vorgabe nicht anzutasten, erfahren wir nicht.
Es war, es ist eine eminente Fehlentscheidung.
Ein Werk, das schon im Original klanglich nicht gerade unterkomplex ist, noch einmal in den Dress einer Big Band zu stecken, läuft Gefahr der Überladung. Wer die Struktur des Originales beibehält, beraubt sich vieler Möglichkeiten, alternative Lesarten zu etablieren. Es bleibt buchstäblich kein Raum dafür, ein Song lässt sich nicht in der Zeitachse aufpumpen, ohne die Form zu verlieren.
Und, wie gesagt, in den meisten Fällen bleibt sie erhalten.
Nur ganz gelegentlich, wie in „Lovely Rita“, öffnet Django in der Coda ein Fensterchen, das andeutet, was möglich gewesen wäre. Die „Rita“-Coda enthält zwar ein paar affige vocal-gimmicks, wird aber von einem geradezu unwiderstehlichen Soul-Groove bewegt.
Ansonsten dominiert der Eindruck von Verdichtung durch alterierte Akkorde, kleine hooklines, die die Bläser dazwischen schieben - sie drängen sich auf. Sie nerven.
Und der Gesang tut ein übriges, kein alternatives Timbre nirgends, man sehnt sich nach John Lennon & Paul McCartney. Und die Misere hängt nicht nur an Martin Dahl, sondern an allen, die den Mund aufmachen.
Schließlich das Finale, „A Day in the Life“.
Wer die Magie des Themas im Ohr hat, die Jeff Beck durch Reduzierung der Mittel und seine eigene Ausgestaltung erreicht, wird von dem großen Apparat enttäuscht werden. Einen kleinen gimmick, eine Art Verweis´chen an den Einsatz von Studiotechnik des Originals im Februar 1967, enthält der track doch: er klingt viel eher aus, als die Zeitanzeige verrät: nach einer Pause von 20 Sekunden erklingt für den Rest von 40 Sekunden ein loop, annäherungsweise im 5/8 Takt.

 

erstellt: 14.06.17
©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten